Liebe Gäste, aufgrund des Treffens der G20-Finanzminister im Kurhaus Baden-Baden ist das Casino am 17. März 2017 geschlossen. Am 18. März 2017 beginnt der Spielbetrieb um 19 Uhr.

Historie Roulette

Wer „faites vos jeux“ hört, erahnt die Ursprünge eines Spiels, das mal Volksspiel war und im Casino Baden-Baden zur mondänen Spielform kultiviert wurde.

„Roulette“ ist die Verkleinerungsform des französischen Wortes für „Rad“: la roue. Das Rad verweist denn auch auf die Geschichte. Schon römische Legionäre vertrieben sich die Zeit damit, ihr Schutzschild auf einer Speerspitze kreiseln zu lassen. Im Mittelalter platzierten Bauern ein Wagenrad auf einer Achse und drehten es. In Venedig sollen Mönche einen Drehkessel ersonnen haben.

Paris
Seine heute gültige Form bekam das Roulette im 17. Jahrhundert. Die Elfenbeinkugel ersetzte die bisherige Spindel, um die Glückszahl anzuzeigen. Den ideellen Überbau lieferte der Mathematiker Blaise Pascal. Sein Buch „Abhandlung über das Roulette und die Dimensionen aller Kurven“ erschien 1649. Hier beschreibt er einen drehenden Zylinder. Mit einem Roulette-Gerät wollte Pascal Wahrscheinlichkeitstheorien überprüfen. Nur eine Menschen-Generation brauchte das Konstrukt für seinen Siegeszug durch französische Spielsäle. Bis heute sind die Hauptelemente gleich: Rote und schwarze Zahlen, die Felder 1 bis 36, die Null. Und: die Bank behält 2,7 Prozent der Einsätze. Das hat übrigens – aktuell - die Stiftung Warentest Jahrhunderte später bewogen, das Roulette zum fairsten Glücksspiel zu küren.

London
Zuerst galt es in den Spielclubs des Adels als chic, Roulette zu spielen, also das „königliche  Spiel von mathematischer Herkunft“, wie es hieß. Doch bald gab es in Frankreich quasi öffentliche Casinos. Hier verdrängte das Modespiel Roulette die ehrwürdigen Kartenspiele „Pharao“ und „Rouge et noir“. Das Spiel wurde legalisiert, um Betrügereien  Einhalt zu gebieten. Das Spiel wurde zudem peu à peu immer internationaler: Im Jahr 1720 dreht sich in England eine erste Scheibe mit Kugel: Roly-Poly. Doch der Spaß ist bald vorbei. Die Engländer verbieten 1739 das Spiel. Die Franzosen sind ähnlich rigoros. König Louis-Philipe  untersagt 1837 öffentliche Glücksspiele. Das Spiel geht daraufhin in Frankreich im Stillen weiter – und wandert aus nach Deutschland. Hier fand bisher das Spiel primär mit Karten in Herbergen und Wirtschaften statt. Gastwirte erhielten eine Lizenz. Eine derartige Konzession wurde 1727 in Pyrmont und 1748 in Baden-Baden vergeben. In der Folgezeit stieg die Zahl der Spielbanken an. Deutsche Kurorte wollten die mondäne Unterhaltung.

Bad Homburg, Baden-Baden
Der Legende nach war wieder ein Mathematiker beteiligt: Louis Blanc. Er und sein Bruder betrieben eine Art Geld- und  Börsengeschäft in Bordeaux. Dann lernten sie den hessisch-homburgischen Landgrafen Ludwig kennen. Und damit begann die Geschichte des deutschen Roulettes: Blanc eröffnete 1841 das Kasino in Bad Homburg und leitete so den deutschen Wandel vom Spielclub zur professionellen Spielbank ein.

Die Blüte der Spielbanken beendete der Norddeutsche Bund per Gesetz vom 1.Juli 1868. Die Frankfurter Nationalversammlung verbot Roulette. Die Folge: Die Spieler wichen in das Ausland oder auf illegale Spiele aus. Monte Carlo ist heute bekannter  Tummelplatz der Reichen. Damals begründete es seinen Ruhm und Reichtum. Und dank des Monsieurs aus Avignon, Blanc: Der damalige Fürst Monacos hatte Interesse an – so würde man heute sagen - „neuen Geschäftsideen“. Und Blaise hatte das, was man Vision nennt. Er zahlte die damals horrende Summe von 2 Millionen Franc für die Lizenz, in Monte Carlo ein Kasino betreiben zu dürfen. Die Idee war so gut wie die Rendite. Als Blanc starb, vererbte er 80 Millionen Francs.

Deutschland
Zurück nach Deutschland: Hier wurde das Verbot in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts aufgehoben. Es gab allerdings Auflagen: Spielbanken waren nur in Bade- und Kurorten erlaubt, die jährlich mindestens 70.000 Kurgäste hatten. Oder mindestens 15 Prozent der Kurgäste musste aus dem Ausland kommen. Die Bürger der Kurorte selbst durften nicht im eigenen Ort spielen. Sie unterlagen dem Residenzverbot. Das nannte sich damals Bannmeile. Das Residenzverbot für Baden-Badener Bürger wurde 1995 aufgehoben. In der Folgezeit nach dem Krieg entstanden neue Spielbanken, zunächst nur in Kurorten: 1948 eröffnete Max Schmeling das Haus in Bad Dürkheim, Baden-Baden folgte 1950. 

Casino Baden Baden